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14.12.18 12:42 Alter: 97 Tag(e)

Sind wir bereit für die Medizin von Morgen?

Die Stadtverwaltung startet ab Anfang des kommenden Jahres mit einem neuen Förderprojekt. Unter dem Titel „MeDiKuS – Medizin, Digitalisierung, Kompetenz und Sicherheit in Sundern“ sollen die Digitalisierungspotentiale der medizinischen Versorgung in Sundern untersucht werden.

Die Untersuchung wird vom Forschungskolleg der Universität Siegen durchgeführt.
Dafür werden der Stadt Fördermittel im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Programms „Land(auf)Schwung“ zur Verfügung gestellt.


„Wir wollen und dürfen als Kommune nicht defensiv sein und abwarten, bis es möglicherweise zu spät ist. Wir müssen unsere Zielvorstellungen aktiv angehen und umsetzen. Unser Ziel im Bereich der medizinischen Versorgung ist die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung in der Zukunft.
Daher freut es mich umso mehr, dass die verwaltungsinterne Projektgruppe, die sich bereits länger mit dem Thema beschäftigt, mit dem Förderantrag für das Projekt MeDiKuS erfolgreich war und wir gemeinsam mit dem Forschungskolleg der Uni Siegen, wichtige Weichen stellen können“ so Bürgermeister Brodel.

Im Rahmen des Förderprojektes soll untersucht werden, wie und in welchem Umfang medizinische Leistungen durch technologiebasierte Lösungen unterstützt werden können, um Ärzte und Patienten zu entlasten. Denn dort, wo es weniger Ärzte vor Ort gibt, müssen immer mehr Patienten weitere Wege auf sich nehmen, um zu den verbleibenden Praxen zu gelangen. Eine medizinische Unterversorgung führt damit zu einer höheren Arbeitsbelastung bei Ärzten und zu längeren Wege- und Wartezeiten bei den Patienten.

Neben Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung im medizinischen Bereich, die flankierend ebenfalls erfolgen, ist daher aus Sicht der Stadtverwaltung auch die Digitalisierung ein wichtiger Schlüssel.

Konkret besteht das Projekt aus drei Teilen.

Im ersten Schritt soll eine Befragung in der Bevölkerung, in ansässigen Arztpraxen und bei weiteren örtlichen Gesundheitsakteuren durchgeführt werden. Sie sollen zu ihrer Bereitschaft, sich der Digitalisierung in der Medizin zu öffnen, befragt werden. In dieser breit angelegten Untersuchung geht es daher zunächst darum, die Akzeptanz von digitalen Technologien im Arzt- sowie Patientenalltag zu analysieren.
Darauf aufbauend soll anhand einer Modellpraxis untersucht werden, wie sich der Wandel von einer analogen zu einer digitalen Arztpraxis gestalten kann. Es soll überprüft werden, welche technischen Voraussetzungen und organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, damit ein beispielhafter Versorgungsfall zwischen Arzt und Patient telemedizinisch gelöst werden kann, beispielsweise bei Ferndiagnosen oder bei der Überwachung des Gesundheitszustandes.
Im Ergebnis sollen neben einer Status Quo-Analyse der Digitalisierungspotenziale auch Handlungsempfehlungen gegeben werden. Diese sollen beschreiben, wie im Rahmen von Nachfolgeprojekten Maßnahmen konkret umgesetzt werden können.
„MeDiKuS erbringt damit wichtige Grundlagendaten und eine fundierte Ausgangsbasis beispielsweise für Projekte, die anschließend im Rahmen der Regionale 2025 umgesetzt werden könnten“, so Fachbereichsleiter Lars Ohlig, der der Projektgruppe angehört.
Die Regionale 2025 war übrigens auch der Auslöser für die Projektgruppe der Verwaltung, die Verbindung zwischen Medizin und Digitalisierung in den Fokus ihrer Überlegungen und Aktivitäten zu nehmen. Denn das Strukturförderprogramm „Regionale“ hat den Schwerpunkt ebenfalls auf die Themen der Digitalisierung und der Versorgungssicherheit im ländlichen Raum gelegt.

Bis es zu dem Förderbescheid kam, war eine Reihe von Vorarbeiten in der Stadtverwaltung erforderlich. Im Juli wurde die Projektskizze vom MeDiKuS beim Hochsauerlandkreis eingereicht. Anfang September hat die Gruppe dann den positiven Förderbescheid erhalten und daraufhin mit der Ausschreibung eines externen Dienstleisters begonnen.
„Wichtig war uns dabei, dass der Dienstleister ein breites Spektrum an Erfahrungen mitbringt. Zum einen müssen natürlich methodische Fachkenntnisse für die Befragungen von Ärzten und Patienten vorliegen. Aber auch ein umfangreiches Know-How im Bereich der Medizintechnik bzw. –informatik ist uns wichtig. Denn nur so, kann die Anwendbarkeit und Eignung digitaler Technologien aufgezeigt werden, die eine zeit- und ortsunabhängige Versorgung ermöglichen können“, erläutert Wirtschaftsförderin und Projektleiterin Julia Wagener.
Mittlerweile ist die Frist der Ausschreibung abgelaufen und der Dienstleister steht mit dem Forschungskolleg der Uni Siegen fest.

Für das Forschungskolleg stellt die Kooperation mit der Stadt Sundern im gemeinsamen Projekt „MeDiKuS“ eine Gelegenheit dar, die interdisziplinäre Forschung innerhalb des Themenschwerpunkts „Digitale Modellregion Gesundheit Südwestfalen“ weiter zu vertiefen. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Fakultäten der Universität, insbesondere mit der neu gegründeten Lebenswissenschaftlichen Fakultät, werden Zukunftsthemen der gesundheitlichen Versorgung mit einem Fokus auf die Anforderung der Region Südwestfalen am FoKoS gebündelt und in Forschungsprojekten umgesetzt. Die wissenschaftlichen Kompetenzfelder reichen dabei von der Akzeptanz- und Anwendungsforschung der Digitalisierung, die Einbeziehung ethischer Fragestellung technikbasierter Innovationen über die Entwicklung medizintechnischer und medizininformatischer Assistenzsysteme für Nutzer und Patienten im Gesundheitswesen und  sektorenübergreifende Akteure wie Mediziner in Arztpraxen und Krankenhäusern, aber auch Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Direktor des Forschungskollegs, misst dem Projekt eine beispielhafte Bedeutung zu: „`MeDiKuS` ist für die Region Südwestfalen ein Modellprojekt, in dem wir untersuchen, wie wir die gesundheitliche Versorgung der Menschen im digitalen Zeitalter unter Rückgriff auf technische Assistenzsysteme ohne qualitative Einbußen neu denken können. Schließlich kommt es darauf an, Innovationen in der gesundheitlichen Versorgung dafür einzusetzen, die Versorgungsgerechtigkeit im zunehmenden Stadt-Land-Gefälle aufrecht zu erhalten.“

„Wir glauben, dass wir mit dem Forschungskolleg den richtigen Partner an unserer Seite gefunden haben, der die notwendige Expertise mitbringt“, so Mitarbeiterin der Projektgruppe Doris Rohe-Weber.
Da der Projektzeitraum lediglich bis Ende Oktober 2019 läuft, soll nun zeitnah mit der Umsetzung des Projektes begonnen werden. Daher wird es am Mittwoch, dem 16. Januar 2019 eine erste Informationsveranstaltung mit den Ärzten, Apothekern sowie weiteren Gesundheitsakteuren und Kooperationspartnern geben. An diesem Abend werden sich die Projektverantwortlichen der Universität Siegen vorstellen und das Vorhaben sowie ihre Vorgehensweise erläutern und für Fragen zur Verfügung stehen.

Hintergrund

Derzeit ist die medizinische Versorgung in Sundern noch sichergestellt. In den nächsten 10-15 Jahren wird jedoch voraussichtlich rund die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte in Sundern in den Ruhestand gehen. Um dieser medizinischen Unterversorgung noch rechtzeitig entgegenzuwirken, hat Bürgermeister Brodel daher bereits im Jahre 2016 eine Projektgruppe eingerichtet. Diese beschäftigt sich mit der Frage, wie die medizinische Versorgung in Sundern auch zukünftig gewährleistet werden kann.
Zwei Ziele hat sich die Projektgruppe gesetzt: Zum einen möchte man die mit Ärzten, Apothekern und weiteren Gesundheitsakteuren wie der Kassenärztlichen Vereinigung bereits stattfindenden Gespräche fortführen und ein festes Netzwerk aufbauen bzw. etablieren. Zum anderen will man gemeinsam mit diesen Personen konkrete Maßnahmen entwickeln und umsetzen, die dazu beitragen, die medizinische Versorgung in Sundern sicherzustellen.

Mit „MeDiKuS“ hat die Projektgruppe nun ein solches Projekt auf den Weg gebracht.

Land(auf)Schwung

Der Hochsauerlandkreis hat im Juni 2015 als eine von bundesweit 13 Regionen den Zuschlag zum Förderprogramm "Land(auf)Schwung" erhalten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat dem Hochsauerlandkreis 2,25 Mio. € für Projekte aus den Themenfeldern "Daseinsvorsorge - Medizinische Versorgung" und "Regionale Wertschöpfung - Fachkräftesicherung" zur Verfügung gestellt. Insgesamt wurden 13 Projektanträge eingereicht. Mittlerweile sind alle vom BMEL zur Verfügung gestellten Fördermittel vollständig gebunden.

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